Zwischen Traum und Natur

 

Fotografie kann jeder – ein leider heute noch immer oft genannter Kernsatz. Eine 

Fehleinschätzung. Knipsen ja. Aber Fotografieren mit Sinn und Verstand, mit Ästhetik und 

Konzept? Das ist Kunst, Herausforderung, Abenteuer und Faszination.

 

Christoph Woloszyn zählt zur Riege derer, die professionell und innovativ mit der Kamera 

umgehen. Der Hagener verfremdet durch Licht, durch technische Effekte, durch Materialien 

ein Motiv, um es uns näher zu bringen, aber eben in einer anderen Konstellation und 

Sichtweise. Das Vertraute wird fremd, das Unbekannte spannend und neu. Seit Jahren 

arbeitet dieser Künstler, dessen Entwicklung erstaunlich schnell und konsequent abläuft, 

an seinem Programm, seinen Sujets, seiner stilistischen Ausrichtung. 

In seiner experimentellen Bildsprache arbeitet er als Surrealist. Das heißt hier: 

 

Woloszyn geht in seiner Motivik über das Reale und Wirkliche hinaus. Der Körper dient ihm 

als Bindeglied zwischen Natur und Konstruktion, Mensch und Lineatur. Aus Licht entstehen 

geheimnisvolle Strukturen, die von innen das Leuchten in eine Außenwelt tragen. Er hält, 

ganz benachbart der Malerei von Edvard Munch, den menschlichen Schrei als Ausdruck 

einer mythischen Seelenlandschaft fest. Realistischer fallen seine Bilder der Serie „Warten“ 

aus: Menschen im Seniorenheim, die im Warten (worauf?) „gefesselt“ sind.

 

Man merkt seinem Oeuvre an, dass Woloszyn früher als Zeichner und Maler wirkte. 

Die Präzision und die vitale Farbigkeit stehen dafür. Seit 2005 wechselte er zur digitalen 

Fotografie. Seitdem gehören Grafik-Tablett und Bildschirm neben der Kamera zu den 

ständigen Begleitern – Werkzeuge, die ihm einen neuen bildnerischen Kosmos erschließen.

 

Christoph Woloszyn wurde 1959 in Polen geboren. Seit 1987 lebt er mit seiner Familie in 

Hagen. 2010 begann er ein Studium mit dem Genre „Foto-Design“ am Institut für Bildende 

Kunst und Kunsttherapie in Bochum. Er bestreitet Ausstellungen in Galerien und Häusern, 

die sich der künstlerischen Fotografie öffnen. Er nimmt in seinem Gestalten Fragen, 

Techniken und den Avantgardismus der 20-er Jahre des vergangenen Jahrhunderts 

individuell auf, um als Künstler auf Entwicklungen und Entdeckungen eines Sigmund Freund 

zu reagieren. Die Psychoanalyse wurde – bis heute – zu einer komplizierten, aber 

spannenden Reise in den Traum, in das Übersinnliche, in das Überzeitliche. Natur und 

Körper setzt er als Symbolkräfte für seine fotografischen Bildwanderungen ein. Er variiert 

in diesen Metamorphosen das ewige Thema: die menschliche Sehnsucht nach Harmonie, 

nach dem Einssein (mit der natürlichen Umwelt), nach der „wahren“ Schönheit.

 

Woloszyn ist noch kein „fertiger“ Künstler – wer könnte das von sich behaupten? 

Er stellt sich Aufgaben und prüft sie technisch und motivisch so lange, bis er zufrieden ist: 

ein philosophischer Bildtüftler. Man kann von seinem Ringen um „das“ Bild noch viel 

erwarten. Dabei benötigt er Aufmerksamkeit, Anerkennung und verständnisvolle Partner. 

Dies alles wünsche ich ihm. Dieser Fotograf hat Interesse und Förderung verdient. 

Man darf, man muss ihn empfehlen!

 

Jörg Loskill, Kunsthistoriker, Buchautor und Herausgeber, 

40 Jahre lang Kulturredakteur bei der WAZ